Die Geschichte des Achensees ist eine Geschichte von Besitzern, die den See auf ihre Weise genutzt haben. Zuerst gehörte er dem Kloster St. Georgenberg-Fiecht, das hier fischen ließ. Dann kamen die Habsburger zum Jagen und Fischen, allen voran Kaiser Maximilian I. Im 19. Jahrhundert brachten Bahn und Dampfschiff die ersten Sommerfrischler, und seit 1919 gehört der See der Stadt Innsbruck, die ihn zur Stromerzeugung nutzt.
Ich finde, wer die Geschichte kennt, sieht den See mit anderen Augen. Das Fürstenhaus in Pertisau, die Kapelle beim Achenseehof oder der abgesenkte Wasserspiegel im Winter erzählen alle ein Stück davon. Hier habe ich die wichtigsten Kapitel für dich zusammengefasst.
Darum geht es auf dieser Seite
- Wie ist der Achensee entstanden?
- Wem gehörte der See im Mittelalter?
- Was machten Kaiser Maximilian und die Habsburger am Achensee?
- Wie begann der Tourismus am Achensee?
- Warum wurde die Achenseebahn gebaut?
- Wie wurde aus dem See ein Kraftwerksspeicher?
- Die Schauplätze der Geschichte auf der Karte
- Meine Tipps & Tricks für Geschichtsfans
- Wie erleben Familien die Geschichte am Achensee?
- Wo kannst du rund um den See noch Geschichte entdecken?
- Häufige Fragen zur Geschichte des Achensees
Die Geschichte des Achensees in Stichworten
- Vor rund 20.000 Jahren: Gletscher formen das Tal, der See entsteht
- 12. Jahrhundert: Die Herren von Schlitters schenken See und Tal dem Kloster St. Georgenberg
- Um 1500: Kaiser Maximilian I. jagt und fischt am See, das Fürstenhaus in Pertisau entsteht
- 1887: Das erste Dampfschiff „St. Josef“ legt ab
- 1889: Die Achenseebahn verbindet Jenbach mit Seespitz
- 1919: Die Stadt Innsbruck kauft den See
- 1924 bis 1927: Bau des Achenseekraftwerks in Jenbach, Gründung der TIWAG
- 1992: Der See geht vollständig an die Stadt Innsbruck zurück, die TIWAG behält das Kraftwerk
Wie ist der Achensee entstanden?
Der Achensee ist ein Kind der letzten Eiszeit. Gletscher haben das Tal zwischen Karwendel und Rofan ausgeschürft, Moränen und Schotter haben es im Süden abgeriegelt. Deshalb floss der See nie ins nahe Inntal ab, sondern nach Norden über die Ache Richtung Isar. Dieser Umstand sollte Jahrtausende später entscheidend werden: Der Höhenunterschied von rund 380 Metern zum Inntal machte den See zum idealen Speicher für ein Kraftwerk.
Wem gehörte der See im Mittelalter?
Die erste bekannte Spur führt ins 12. Jahrhundert. Die Herren von Schlitters schenkten den See und das Gebiet rundherum dem Benediktinerkloster St. Georgenberg, das später nach Fiecht bei Schwaz übersiedelte. In der Urkunde ist von einem See und einem Ort namens Emmaus die Rede, und auch die erste Kirche in Achenkirch wird in dieser Zeit erwähnt.
Für das Kloster war der See vor allem eine Speisekammer. Fischer lieferten Renken, Saiblinge und Forellen für die Klosterküche und für Wirtshäuser, Fischsalz kam von der Saline in Hall. Die Mönche führten Buch über Fänge und Abrechnungen, und über Jahrhunderte stritten sie mit benachbarten Herrschaften und sogar mit dem Kloster Tegernsee um Fischrechte.
Was machten Kaiser Maximilian und die Habsburger am Achensee?
Ab dem 15. Jahrhundert entdeckten die Habsburger den See für sich. Erzherzog Sigismund ließ 1446 in Pertisau ein Fischerhaus bauen, und Kaiser Maximilian I. wird gern als erster Gast des Achensees bezeichnet. In seinem berühmten Fischereibuch schwärmt er von den Fischen des Sees, und dort taucht um 1500 auch zum ersten Mal der Name Achental auf. In Pertisau ließ er das Fürstenhaus als Sommersitz für seine Jagd- und Fischereiausflüge errichten.
Erzherzog Ferdinand II. baute das Fürstenhaus 1577 zu einer Sommerresidenz mit Stallungen aus und ließ sich für die Hofjagden ein eigenes Schiff bauen. Die Jagden am Achensee galten als exklusive Ereignisse des Tiroler Hofes. Bis 1918 nutzten die Habsburger die Wälder rund um Pertisau zum Jagen. Mehr zu den Spuren des Kaisers findest du unter Sehenswürdigkeiten am Achensee.
Wie begann der Tourismus am Achensee?
Mit der Eisenbahn durch das Unterinntal ab 1859 wurde der See plötzlich erreichbar. Rund um 1850 entwickelte sich die alte Zollstation Scholastika in Achenkirch zum Wirtshaus und Sommerrefugium für Innsbrucker Literaten, benannt nach der Wirtin Scholastika Hochmayr. Das Kloster ließ das verfallene Fürstenhaus neu errichten und eröffnete es 1853 als Hotel, in dem es anfangs sehr fromm zuging.
Der Mann, der den Tourismus richtig in Schwung brachte, war Abt Albert Wildauer. Er erweiterte ab 1875 das Fürstenhaus und finanzierte mit einem hohen Kredit das erste Dampfschiff. Die St. Josef wurde in Teilen per Bahn nach Jenbach geliefert, mit Pferden nach Pertisau gebracht und dort zusammengebaut. Am 27. Juni 1887 nahm sie den Betrieb auf. Die ganze Geschichte der Flotte erzähle ich auf der Seite Achenseeschifffahrt.
Warum wurde die Achenseebahn gebaut?
Die Gäste kamen mit dem Zug bis Jenbach, mussten dann aber noch rund 400 Höhenmeter mit der Kutsche hinauf. Deshalb entstand die Achenseebahn, eine Zahnradbahn mit Dampfloks, die 1889 nach nur acht Monaten Bauzeit eröffnet wurde. In Seespitz stiegen die Fahrgäste direkt auf das Schiff um, im selben Sommer nahm mit der St. Benedikt ein zweites Dampfschiff den Betrieb auf.
Zur Jahrhundertwende war der Achensee eine feste Größe der Sommerfrische. Neben dem Fürstenhaus entstanden das Hotel Scholastika und das Hotel Seehof, das der berühmte Zillertaler Sänger Ludwig Rainer 1869/70 am Ostufer bauen ließ. 1913 brannte das Grandhotel Scholastika ab. Die Bahn fährt bis heute, alles dazu findest du auf der Seite Achenseebahn.
Wie wurde aus dem See ein Kraftwerksspeicher?
Nach dem Ersten Weltkrieg geriet das Kloster in wirtschaftliche Not und verkaufte den See 1919 an die Stadt Innsbruck. Die Stadt hatte große Pläne: 1924 gründete sie gemeinsam mit dem Land Tirol und Banken die Tiroler Wasserkraft AG, kurz TIWAG, und baute bis 1927 das Achenseekraftwerk in Jenbach. Seitdem fließt Seewasser durch einen Stollen und eine Druckrohrleitung hinunter ins Inntal und treibt dort die Turbinen an.
Das Kraftwerk gilt als Wiege der TIWAG und hat den See verändert. Der natürliche Abfluss nach Norden wurde gesperrt, und im Winter wird der Spiegel abgesenkt. Früher waren bis zu 11,5 Meter erlaubt, seit 2005 beschränkt man sich auf rund sechs Meter, damit der See im Frühsommer wieder gut gefüllt ist. Wem der See heute gehört und was das für dich bedeutet, erkläre ich unter Wem gehört der Achensee?.
Die Schauplätze der Geschichte auf der Karte
Auf der Karte siehst du die Orte, an denen die Geschichte des Sees bis heute sichtbar ist: Pertisau mit dem Fürstenhaus, Scholastika und die Anlegestelle Seehofkapelle in Achenkirch, Seespitz mit der Endstation der Achenseebahn und die Anlegestellen der Schifffahrt, die seit 1887 über den See fährt.
Orte · Schiffsanlegestellen · Bahnen
Meine Tipps & Tricks für Geschichtsfans
- Heimatmuseum Sixenhof besuchen: Im alten Bauernhof in Achenkirch erfährst du viel über das Leben im Achental, inklusive einer Ausstellung zu Ludwig Rainer. Mehr unter Heimatmuseum Sixenhof.
- Bahn und Schiff kombinieren: Wer mit der Dampflok nach Seespitz fährt und dort aufs Schiff umsteigt, reist genau wie die Sommerfrischler vor 130 Jahren.
- Das Fürstenhaus anschauen: Das heutige Hotel an der Seepromenade in Pertisau steht an der Stelle des kaiserlichen Jagdhauses. Im Stiegenhaus hängt eine große Nachbildung eines Bildes aus Maximilians Fischereibuch.
- Hörspiel-Erlebnis nutzen: An mehreren Stationen rund um den See erzählen Kaiser Maximilian und sein Hofnarr in einem Hörspiel die Geschichte der Region. Ideal für Familien.
- Das Kraftwerk von außen sehen: Unten in Jenbach steht das Achenseekraftwerk. Infos zum Bau und zur Technik findest du auf der Seite Achenseekraftwerk.
Wie erleben Familien die Geschichte am Achensee?
Mit Kindern
Für Kinder wird Geschichte am Achensee lebendig, wenn sie mitfahren dürfen. Die Dampflok der Achenseebahn, die Schiffe und das alte Spielschiff im Atoll machen aus Jahreszahlen ein Abenteuer. Das Hörspiel mit Kaiser Maximilian und seinem Hofnarren ist genau für diese Zielgruppe gemacht, und im Sixenhof sehen Kinder, wie Bauernfamilien früher gelebt haben.
Mit Hund
Die historischen Orte am See erreichst du gut mit Hund. Auf dem Schiff gilt Maulkorb- und Leinenpflicht, in der Achenseebahn braucht er ein eigenes Ticket und einen Maulkorb. In Museen gilt Leinenpflicht, beachte, dass der Steinöl-Vitalberg in Pertisau für Hunde gesperrt ist.
Mit Kinderwagen
Die meisten Schauplätze liegen eben am Ufer und sind mit dem Kinderwagen gut erreichbar:
- Pertisau: Fürstenhaus und Seepromenade flach erreichbar
- Seespitz: Bahnhof und Anlegestelle eben
- Achenkirch: Sixenhof und Scholastika mit kurzen Wegen
- Schiff: Kinderwagen an Bord möglich
Wo kannst du rund um den See noch Geschichte entdecken?
Notburgakirche in Eben
In Eben steht die Wallfahrtskirche der heiligen Notburga, der Schutzpatronin der Dienstboten und Bauern. Ihre Gebeine werden hier verehrt, und das Notburga-Museum erzählt ihre Geschichte. Mehr dazu unter Notburgakirche.
Kloster St. Georgenberg
Unten im Inntal bei Stans liegt das Wallfahrtskloster St. Georgenberg auf einem Felsen in der Wolfsklamm. Von hier aus wurde der Achensee jahrhundertelang verwaltet. Der Weg durch die Klamm hinauf ist ein schöner Ausflug.
Kirchen und Kapellen am See
Von der Pfarrkirche in Achenkirch über die neugotische Seehofkapelle bis zur modernen Kirche in Pertisau, die der Architekt Clemens Holzmeister entworfen hat, lohnt sich ein Blick in die Gotteshäuser am See. Eine Übersicht findest du unter Kirchen und Kapellen.
Häufige Fragen zur Geschichte des Achensees
Wie alt ist der Achensee?
Der Achensee entstand am Ende der letzten Eiszeit vor rund 20.000 Jahren, als sich die Gletscher zurückzogen.
Wem gehörte der Achensee früher?
Ab dem 12. Jahrhundert gehörte der See dem Kloster St. Georgenberg-Fiecht, zwischenzeitlich den Habsburgern. 1919 kaufte ihn die Stadt Innsbruck.
Seit wann fährt ein Schiff auf dem Achensee?
Seit 1887. Das erste Schiff war der Dampfer St. Josef, finanziert von Abt Albert Wildauer.
Warum wird der Achensee im Winter abgesenkt?
Weil der See als Speicher für das Achenseekraftwerk in Jenbach dient. Im Winter wird mehr Wasser für die Stromerzeugung entnommen, als nachfließt.
Mein Fazit
Der Achensee war nie nur Landschaft. Er war Speisekammer der Mönche, Jagdrevier der Kaiser, Sommerfrische des Bürgertums und ist heute Kraftwerksspeicher und Urlaubsziel zugleich. Viele Spuren davon sind noch zu sehen, wenn man weiß, wo man hinschauen muss. Mein Rat: Fahr einmal mit Dampflok und Schiff über den See und besuch danach den Sixenhof. So verstehst du in einem Tag, wie aus einem abgelegenen Bergsee das Tiroler Meer wurde.


